Berufsspezialist IT mündliche Prüfung: Die 15-Minuten-Präsentation

Berufsspezialist IT mündliche Prüfung: Die 15-Minuten-Präsentation

15 Minuten. Mehr Zeit hast du für deine Präsentation in der mündlichen Prüfung zum Berufsspezialisten IT nicht. Und genau diese 15 Minuten kannst du komplett vorbereiten, üben und kontrollieren. Helen und ich haben im Livestream gezeigt, wie der Ablauf im Prüfungsraum aussieht, was du mitnehmen musst und woran du eine gute Präsentation von einer schlechten unterscheidest. Helen hat dafür dasselbe Projekt zweimal präsentiert: einmal absichtlich schlecht, einmal so, wie es sein sollte.

So ist die mündliche Prüfung aufgebaut

Die mündliche Prüfung besteht aus zwei Teilen:

  • Präsentation, 15 Minuten. Feste Struktur, ein Drittel der Note. Du bereitest sie komplett vor, du kennst jede Folie, du hast sie auf Zeit geübt.
  • Fachgespräch, 30 Minuten. Freie Struktur, zwei Drittel der Note. Hier zeigt sich, ob du dein Thema wirklich beherrschst.

Auf dem Papier zählt die Präsentation also weniger. In der Praxis prägt sie aber den Eindruck, den der Prüfungsausschuss mit ins Fachgespräch nimmt. Wer sauber vorbereitet auftritt, startet mit einem Vorschuss. Wer alle Qualifikationsschwerpunkte abhakt, aber unvorbereitet und schlecht vorträgt, verschenkt genau diesen Vorschuss. Umgekehrt kann ein starkes Fachgespräch eine schwache Präsentation teilweise ausgleichen.

Der Ablauf im Prüfungsraum

IHK Berufsspezialisten IT Abschlussprüfung: Beispiel Präsentation

Du wirst in den Raum gerufen, zeigst deinen Ausweis und wirst gefragt, ob du gegenüber einer der prüfenden Personen befangen bist. Das ist eine Standardfrage, in der Regel sagst du einfach nein. Dann folgt der Hinweis, dass Handy, Smartwatch und Tablet ausgeschaltet in der Tasche bleiben. Nimm das ernst: Klingelt oder vibriert etwas, kann das als Täuschungsversuch gewertet werden.

Danach baust du in Ruhe auf. Die 15 Minuten laufen erst, wenn du anfängst zu sprechen. Nutze diese Zeit, um anzukommen und durchzuatmen. Nervosität ist völlig normal, sie sorgt dafür, dass du konzentriert bist.

Ein Tipp, der banal klingt und trotzdem jedes Mal vergessen wird: Nimm dir etwas zu trinken. Nach 15 Minuten Sprechen und 30 Minuten Fachgespräch ist dein Hals trocken wie die Sahara. Eine eigene Wasserflasche als Backup schadet nie.

Checkliste: Das gehört in deine Tasche

  • Ausweis. Ohne Ausweis keine Prüfung. Kontrolliere ihn beim Rausgehen aus dem Haus noch einmal.
  • Eigener Laptop plus Ladekabel. Auch wenn die IHK sagt, dass ein Laptop bereitsteht. Genau in dem Moment installiert er ein Update.
  • HDMI-Adapter, USB-Hubs, Dongles. Alles, was du hast.
  • USB-Stick, und zwar USB-A. Nicht der schicke USB-C-Stick.
  • Präsentation in zwei Formaten auf zwei Medien. Einmal als PowerPoint, einmal als PDF, jeweils lokal auf dem Laptop und auf dem Stick. Nicht in der Cloud, nicht in Google Slides, nicht in Canva und nicht als HTML-Seite, die dir ein KI-Tool generiert hat. Geh davon aus, dass es im Prüfungsraum kein WLAN gibt.
  • Moderationskarten. Auch wenn du nicht draufschaust: Du hast etwas in der Hand, das keine Geräusche macht. Anders als ein Kuli.
  • Ein Snack mit Zucker. Kohlenhydrate sind Nervennahrung. Der zuckerfreie Proteinriegel hilft dir hier nicht.
  • Optional ein Handout. Vorgeschrieben ist es nicht. Wenn du eins hast, bring es ausgedruckt mit.

Was ziehst du an? Etwas Ordentliches, in dem du dich wohlfühlst. Hemd oder Polo reichen, Farben sind egal. Kein Konfirmationsanzug, aber auch nicht das abgetragene Firmenshirt. Auch wenn es niemand gerne hört: Der erste Eindruck beeinflusst, wie kompetent du wahrgenommen wirst.

Männer mit grünen Häkchen und roten Kreuzen, die Kleiderwahl demonstrieren

Das Negativbeispiel: Woran Helens erste Präsentation gescheitert ist

Helen hat ihr Projekt zuerst so präsentiert, wie man es nicht machen sollte. Das Feedback der Teilnehmenden im Chat war eindeutig:

Negativbeispiel für eine präsentation
  • Zu viel Text auf den Folien. Wer Text auf der Folie hat, liest ihn vor. Die Folie sagt dann exakt das, was du sagst, und beides zusammen ist langweilig.
  • Zu lässige Sprache. "Cloud ist irgendwie cool" hat in einer Abschlussprüfung nichts verloren. Es ist eine Aufstiegsfortbildung, kein Vortrag unter Freunden.
  • Keine erkennbare Struktur. Keine Agenda, kein roter Faden, kein Fazit mit messbaren Ergebnissen.
  • Grafiken zu klein und nicht erklärt. Ein Architekturdiagramm, das man nicht lesen kann, ist schlimmer als keins.
  • Qualifikationsschwerpunkte nur angekratzt. Sicherheit und Backup kamen vor, aber ohne Tiefe. Projektsteuerung, Qualitätssicherung und rechtliche Vorgaben fehlten fast komplett.
  • Anbieterwahl ohne Begründung. "Ich kenne AWS aus einem Kurs, deshalb nehmen wir AWS" ist keine Entscheidung, sondern eine Vorliebe.
  • Viel zu kurz. Nach gut sechs Minuten war Schluss.

Die Einschätzung im Chat: bestenfalls ausreichend, eher durchgefallen. Ohne ein sehr starkes Fachgespräch wäre das nicht zu retten gewesen.

Das Positivbeispiel: Was die zweite Präsentation besser gemacht hat

Gleiches Projekt, gleicher Kontext, komplett andere Wirkung. Das hat funktioniert:

Super Beispiel für eine Berufsspezialisten IT mündliche Prüfung
  • Klare Agenda am Anfang. Ausgangssituation, Zielsetzung, Risikoanalyse, Anbieterwahl, Architektur, Backup-Konzept, IT-Sicherheit, Umsetzung und Projektsteuerung. Der Prüfungsausschuss weiß von der ersten Minute an, wo er die Qualifikationsschwerpunkte wiederfindet.
  • Messbare Ziele. 99,9 Prozent Verfügbarkeit, RTO von maximal zwei Stunden, RPO von maximal 15 Minuten. Am Ende greift das Fazit genau diese Werte wieder auf.
  • Risikoanalyse mit Gegenmaßnahmen. Datenverlust bei der Migration, Fehlkonfiguration, DSGVO-Verstoß bei Standortdaten, jeweils mit Eintrittswahrscheinlichkeit, Auswirkung und konkreter Maßnahme.
  • Anbieterwahl über eine gewichtete Entscheidungsmatrix. Kriterien wie verwaltete IoT-Dienste, Skalierbarkeit, Kosten, vorhandenes Know-how und EU-Datenstandort. Die Entscheidung für AWS ist damit nachvollziehbar, nicht persönlich.
  • Architektur als Datenfluss erklärt. Von links nach rechts, vom Fahrzeug über das Edge Gateway bis in die Cloud, mit Monitoring und IAM als Querschnitt über alle Schichten.
  • Umsetzung in Phasen mit Testfällen. Vorbereitung, Parallelbetrieb, Cutover, Nachbetreuung, abgesichert durch definierte Erfolgskriterien wie einen Lasttest mit 10.000 Nachrichten pro Sekunde.
  • Projektsteuerung mit Aufwänden. Phasen mit Dauer und Personentagen, dazu Übergabe, Betriebsdokumentation und Notfallhandbuch.
  • Fazit plus Ausblick. Ziele erreicht, nächstes mögliches Projekt benannt.

Nutze die zweite Präsentation gerne als gedankliche Vorlage. Der Trick ist nicht, dieses Projekt zu kopieren, sondern dein eigenes Projekt aus jedem Qualifikationsschwerpunkt heraus zu beleuchten.

Die Zeit: 13 bis 15 Minuten sind das Ziel

Helen hat mit der guten Präsentation 16 Minuten gebraucht. Das kostet dich in der Prüfung nicht den Kopf, du bekommst höchstens den Hinweis, dass die Zeit um ist. Bei 17 oder 18 Minuten wird es kritisch und gibt Punktabzug. Alles zwischen 13 und 15 Minuten ist völlig in Ordnung. Zu lang wird stärker bestraft als etwas zu kurz.

Deshalb: Übe auf Zeit. Am besten vor anderen Teilnehmenden, die die Stoppuhr laufen lassen. In PowerPoint kannst du dir während der Präsentation einen Timer anzeigen lassen, dann musst du dich nicht auf dein Gefühl verlassen.

KI-generierte Folien: Ja, aber mit einer Regel

Darfst du deine Folien mit ChatGPT, Claude oder Gamma erstellen lassen? Verboten ist es nicht. Aber KI-generierte Präsentationen erkennt man, sie sehen alle gleich aus. Und sie verleiten dazu, Begriffe auf die Folien zu packen, die du nicht erklären kannst.

Genau das ist der gefährlichste Fehler in der ganzen Prüfung. Wenn auf deiner Folie "Time-Series-Datenbank" oder "3-2-1-Backup" steht und du im Fachgespräch nicht erklären kannst, was das bedeutet, ist der Eindruck ruiniert. Ein Blackout bei einer Detailfrage ist menschlich und verzeihbar. Ein Fachwort auf der eigenen Folie nicht erklären zu können, ist es nicht.

Unser Vorschlag: Lass dir ein Grundgerüst generieren und bau die Folien dann selbst nach. Das fühlt sich nach Beschäftigungstherapie an, aber durch das Nachbauen verstehst du jede Folie, jede Grafik und jeden Begriff. Genau dieses Verständnis brauchst du im Fachgespräch.

Fragen aus dem Livestream

Eher technisch oder eher Projektmanagement? Ein guter Mix. Es kommt darauf an, wo du deinen Projektschwerpunkt gesetzt hast. Ein Datenschutzkonzept hat einen anderen Fokus als eine Cloud-Migration.

Zieht der Ausschuss die 30 Minuten Fachgespräch voll durch? Kommt auf die Prüfenden an. Realistisch stellt jede Person drei bis vier Fragen, und nach 25 bis 30 Minuten bist du durch.

Muss das Projekt am Prüfungstag umgesetzt sein? Nein, das kann niemand nachvollziehen. Auch eine Machbarkeitsstudie ist ein Projekt. Wichtig ist nur, dass du im Fachgespräch keine Umsetzungsdetails behauptest, die es nie gab.

Kundennamen nennen oder neutral bleiben? Neutral. "Kunde A" und "Kunde B" reichen, mit dem Hinweis, dass es echte Projekte sind.

Wie detailliert soll das Architekturdiagramm sein? So einfach wie möglich, so detailliert wie nötig und fachlich komplett richtig. Wenn der Ausschuss sieben von 15 Minuten braucht, um dein Diagramm zu verstehen, hast du verloren. Zeig die High-Level-Architektur und halte die Detailansicht als Bild im PDF bereit, falls im Fachgespräch danach gefragt wird.

Was, wenn ich bei einer Frage keine Ahnung habe? Ehrlich sagen. "Das ist nicht der Bereich, an dem ich gearbeitet habe, aber im Kontext meines Projekts habe ich es so eingesetzt." Das ist besser als etwas zusammenzustammeln, und es lässt dem Ausschuss Zeit für eine Frage, die du beantworten kannst.

Schriftliche Prüfung nicht bestanden, hilft die mündliche? Nein, die mündliche Prüfung ersetzt nichts. Für eine schriftliche Aufgabe mit unter 50 Punkten gibt es aber die mündliche Ergänzungsprüfung, 20 Minuten, meist am selben Tag. Rechnerisch geht das nur, wenn du damit noch auf über 50 Punkte kommst.

Und danach?

Wenn du den Berufsspezialisten bestanden hast, ist der Bachelor Professional IT der nächste Schritt, gleichwertig zum Techniker, Fachwirt oder Meister. Und wenn dir unsere Livestreams und Blogposts bei der Vorbereitung geholfen haben und du uns etwas zurückgeben willst: Mach den Bachelor Professional bei uns. Dann können wir genau solche Inhalte weiter kostenlos für alle rausbringen.

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Edwin Radtke
Mitgründer Cloudhelden
author https://cloudhelden.org

Ich bin Edwin und arbeite seit über 7 Jahren in den Bereichen DevOps, Cloud und IT-Security. Inzwischen gebe ich mein Wissen in der IT-Bildung weiter, praxisnah und verständlich. Privat und ehrenamtlich bin ich außerdem als IHK-Prüfer für die IT-Berufsspezialisten tätig. Mein Ziel ist es, dir nicht nur IT-Know-how zu vermitteln, sondern auch das Selbstvertrauen für deinen beruflichen Weg in der IT mitzugeben.