IHK Zeugnis

Vorbereitung auf die schriftliche IHK-Prüfung Berufsspezialist IT & Bachelor Professional IT: Lernplan, Prüfungstag-Taktik und FAQ (2026)

Praktische Tipps zur Vorbereitung auf die schriftliche IHK-Prüfung für den Berufsspezialisten IT und Bachelor Professional IT - Lernplan, Prüfungstag-Taktik und FAQ.

Dies ist Teil 3 unserer Serie zur schriftlichen IHK-Prüfung. In Teil 1 gehen wir auf Format und Aufbau der Prüfung ein. In Teil 2 erklären wir die 7 Regeln für eine überzeugende Prüfungsleistung.

Der optimale Vorbereitungsplan

Wie lange muss man sich vorbereiten? Welche Lernstrategie ist die beste? Die ehrliche Antwort: Das hängt von dir ab. Aber es gibt ein paar Grundsätze, die für alle gelten.

Kenne deinen Lerntyp

Es gibt Leute, die setzen sich eine Woche vor der Prüfung strukturiert hin, arbeiten alles konzentriert durch und bestehen problemlos. Andere lernen lieber über Monate hinweg in kleinen Häppchen. Beides funktioniert, solange du während der Weiterbildung gut aufgepasst hast.

Was du dabei bedenken solltest: Wenn deine letzte Klausur zehn Jahre her ist und du seitdem keine strukturierte Lernphase mehr hattest, dann plane mehr Zeit ein. Lernen ist wie ein Muskel. Wenn du ihn lange nicht benutzt hast, braucht er eine Aufwärmphase. Fang also früher an, als du denkst, dass du müsstest.

Genauso gilt: Wenn du ein Typ bist, der am besten in Lerngruppen arbeitet, dann bilde eine Lerngruppe. Wenn dich das nervt und du alleine besser lernst, dann lass dich nicht dazu überreden. Es gibt keine universell "richtige" Lernmethode. Es gibt nur die, die für dich funktioniert.

Der Rahmenlehrplan ist dein wichtigstes Dokument

Diesen Punkt können wir nicht oft genug wiederholen: Alle Prüfungsfragen basieren auf dem Rahmenlehrplan. Es kommen nur Themen dran, die dort aufgeführt sind. Das bedeutet: Wenn du den Rahmenlehrplan kennst und die Inhalte verstanden hast, bist du vorbereitet.

Geh ihn systematisch durch und stelle sicher, dass du zu jedem Themengebiet die Grundlagen erklären kannst. Du musst kein Spezialist in jeder einzelnen Technologie sein, aber du musst die Konzepte auf High-Level-Niveau verstanden haben.

Es gibt (noch) keine alten Prüfungen

Ein großer Unterschied zur Fachinformatiker-Prüfung, die viele noch kennen: Dort konnte man sich die Klausuren der letzten sechs bis sieben Jahre besorgen und damit üben. Für den Berufsspezialisten und Bachelor Professional gibt es das noch nicht, es waren ja die allerersten Prüfungen.

Das heißt: Du kannst dich nicht durch alte Klausuren vorbereiten. Nutze stattdessen die Materialien, die dein Weiterbildungsanbieter bereitstellt, und arbeite den Rahmenlehrplan durch. Das reicht, und alle anderen Prüflinge sind in derselben Situation.

Nicht zu technisch werden

Als ITler neigen wir dazu, uns in technische Details zu vertiefen. Für diese Prüfung ist das der falsche Ansatz. Du musst nicht wissen, wie ein Docker-Container im Detail konfiguriert wird. Du musst wissen, wofür man Container einsetzt, welche Vorteile sie bieten und in welchen Szenarien sie sinnvoll sind.

Denke eher in Konzepten als in Konfigurationen. Eher "Was löst diese Technologie?" statt "Wie richte ich sie Schritt für Schritt ein?"

Lernmethoden, die funktionieren

Egal welchen Weg du wählst, ein paar Methoden haben sich bewährt: Erstelle dir Lernkarten zu den Kernbegriffen aus dem Rahmenlehrplan. Übe, offene Fragen schriftlich und strukturiert zu beantworten. Das ist das Prüfungsformat, also trainiere es. Erkläre Themen laut oder schreibe sie in eigenen Worten auf. Wer etwas erklären kann, hat es verstanden. Und plane feste Lernzeiten ein statt "irgendwann mal" zu lernen.

Prüfungstag: Praktische Tipps

Du hast gelernt, du weißt, wie die Operatoren funktionieren. Jetzt sitzt du in der Prüfung. So gehst du die Klausur taktisch an.

Schritt 1: Die Situationsschilderung zweimal lesen

Die Situationsschilderung ist die Grundlage für alle Fragen. Lies sie beim ersten Mal einfach durch, um ein Gesamtbild zu bekommen. Beim zweiten Mal liest du mit dem Stift in der Hand und markierst Keywords, die wahrscheinlich in den Fragen eine Rolle spielen werden.

Wenn im Text steht, dass ein Unternehmen KI einführen möchte, markiere das. Wenn in einem Halbsatz erwähnt wird, dass die Belegschaft älter wird und es schwierig ist, junge Mitarbeiter zu finden, markiere auch das. Solche Details stehen oft beiläufig im Fließtext, sind aber genau die Informationen, die du später in deinen Antworten brauchst. Wenn dich dann eine Frage nach Risiken fragt, musst du nicht nochmal die gesamte Situationsschilderung durchsuchen, sondern kannst direkt auf deine Markierungen schauen.

Schritt 2: Alle Fragen einmal überfliegen

Bevor du mit der ersten Antwort anfängst, lies einmal alle Fragen von oben bis unten durch. Nicht um sie sofort zu beantworten, sondern um ein Gefühl dafür zu bekommen, was insgesamt abgefragt wird. Das hilft dir, die Klausur als Ganzes einzuschätzen und deine Zeit besser einzuteilen.

Schritt 3: Punkte als Zeitkompass nutzen

Das ist einer der wichtigsten taktischen Tipps: Die Punktzahl einer Aufgabe verrät dir, wie viel Zeit und Aufwand sie verdient. Eine Drei-Punkte-Frage braucht eine kurze, knappe Antwort. Halte dich nicht lange damit auf. Eine 15-Punkte-Frage erwartet eine ausführliche, gut strukturierte Antwort. Hier lohnt es sich, Zeit zu investieren.

Rechne dir grob aus, wie viel Zeit du pro Punkt hast, und plane deine Zeit entsprechend. Mach lieber eine richtig gute 15-Punkte-Antwort als drei perfekte Drei-Punkte-Antworten und eine verkorkste große Aufgabe. Setze deinen Fokus dort, wo die meisten Punkte zu holen sind.

Nach der Prüfung: Was passiert, wenn es nicht reicht?

Kurz und knapp: Selbst wenn es bei der schriftlichen Prüfung nicht auf Anhieb klappt, ist das kein Weltuntergang. Die Verordnung sieht mehrere Auffangmechanismen vor.

Mündliche Ergänzungsprüfung

Wenn du in einer der beiden Situationsaufgaben weniger als 50, aber mindestens 30 Punkte erreicht hast, wird dir eine mündliche Ergänzungsprüfung angeboten. Diese dauert maximal 20 Minuten. Aus dem Ergebnis der Ergänzungsprüfung und deiner schriftlichen Leistung wird dann ein gewichtetes Mittel gebildet, wobei die schriftliche Note doppelt zählt.

Wichtig: Die mündliche Ergänzungsprüfung ist ausgeschlossen, wenn du in beiden Situationsaufgaben unter 50 Punkte liegst oder in einer Aufgabe weniger als 30 Punkte erreicht hast.

Wiederholung

Jede der beiden schriftlichen Prüfungsleistungen darf höchstens zweimal wiederholt werden. Die Frist zur Wiederholung beträgt zwei Jahre ab dem Bescheid über das Nichtbestehen. Wer diese Frist verstreichen lässt, muss die gesamte Prüfung neu ablegen.

Das Wichtigste

Beide Situationsaufgaben müssen einzeln mit mindestens 50 Punkten bestanden werden. Es reicht nicht, im Durchschnitt über 50 zu liegen. Jede Aufgabe zählt für sich. Plane deine Zeit in der Prüfung also so, dass du beiden Aufgaben gerecht wirst.

Für die vollständigen Details zu Bestehensregelungen, Gewichtung und Wiederholungsmöglichkeiten wirf einen Blick in die jeweilige Fortbildungsprüfungsverordnung deiner Fachrichtung, zum Beispiel die SIVFPrV für Systemintegration & Vernetzung. Die Regelungen sind bei allen Fachrichtungen identisch aufgebaut.

FAQ

Ist die Prüfung digital oder auf Papier?

Das hängt von deiner IHK ab. Einige IHKs, zum Beispiel die IHK Frankfurt, bieten die schriftliche Prüfung digital an. Andere setzen weiterhin auf handschriftliche Klausuren. Erkundige dich rechtzeitig bei deiner zuständigen IHK, welches Format bei dir zum Einsatz kommt.

Wie schwer ist die Prüfung im Vergleich zur Fachinformatiker-Prüfung?

Vom Zuschnitt her ist es ein komplett anderer Stil. Die Prüfung ist nicht unbedingt schwerer, aber deutlich weniger technisch und mehr konzeptionell. Statt zu wissen, aus welchen Bestandteilen eine IPv6-Adresse aufgebaut ist, wird von dir erwartet, dass du in Richtung Risikoanalyse, Projektmanagement oder Vor- und Nachteile bestimmter Lösungsansätze denkst. Es geht also um mehr Abstraktion und weniger um technische Detailfragen. Wer sich darauf einstellt, wird nicht überrascht.

Kann ich die Prüfung auch ohne IT-Ausbildung ablegen?

Ja, unter bestimmten Voraussetzungen. Laut Verordnung gibt es mehrere Wege zur Zulassung: mit einer IT-Ausbildung (z.B. Fachinformatiker), mit einer anderen Ausbildung plus mindestens ein Jahr Berufspraxis im IT-Bereich, mit mindestens 60 ECTS aus einem Studium plus zwei Jahre Berufspraxis, oder über eine Sonderzulassung, wenn du auf andere Weise nachweisen kannst, dass du vergleichbare Kenntnisse und Fähigkeiten hast. Die genauen Voraussetzungen findest du in der jeweiligen Fortbildungsprüfungsverordnung deiner Fachrichtung.

Wann sind die nächsten Prüfungstermine?

Die schriftlichen Prüfungen finden an bundesweit einheitlichen Terminen statt. Die genauen Daten werden von den IHKs veröffentlicht. Schau auf der Website deiner zuständigen IHK nach oder frage direkt dort nach.

Muss ich die Prüfung bei meiner lokalen IHK ablegen?

Nein. Grundsätzlich legst du die Prüfung bei deiner zuständigen IHK ab. Wenn deine IHK diese Prüfung aber nicht anbietet, kannst du eine Freistellung erhalten und die Prüfung bei einer anderen IHK deiner Wahl ablegen. Da die Aufgaben bundesweit einheitlich sind, macht es inhaltlich keinen Unterschied. Nur das Format (digital vs. Papier) kann je nach IHK variieren.

Was passiert, wenn ich am Prüfungstag krank bin?

Melde dich umgehend bei deiner IHK und lege ein ärztliches Attest vor. In der Regel kannst du die Prüfung dann zum nächsten regulären Termin nachholen, ohne dass es als Fehlversuch gewertet wird. Die genauen Regelungen können je nach IHK leicht variieren. Kläre das im Vorfeld, damit du im Ernstfall weißt, was zu tun ist.

Reicht es, nur den Rahmenlehrplan zu lernen?

Ja und nein. Alle Prüfungsfragen beziehen sich auf den Rahmenlehrplan. Es kommt nichts dran, was dort nicht abgedeckt ist. In diesem Sinne: Ja, der Rahmenlehrplan definiert den Prüfungsumfang. Allerdings stehen im Rahmenlehrplan nur die Konzepte und Themenfelder, zum Beispiel "skalierbare Infrastrukturen entwerfen". Was genau darunter zu verstehen ist und welche konkreten Antworten in der Prüfung erwartet werden, musst du dir selbstständig erarbeiten oder mit einem Weiterbildungsanbieter durcharbeiten. Der Rahmenlehrplan sagt dir also, was drankommen kann, aber nicht, was die Antwort ist.

Einzelguides nach Fachrichtung

Die allgemeinen Tipps in dieser Serie gelten für alle Fachrichtungen. Für die spezifischen Inhalte, Themen und Prüfungsschwerpunkte haben wir eigene Guides erstellt:

  • Systemintegration & Vernetzung (coming soon)
  • Informationssicherheit (coming soon)
  • Softwareentwicklung (coming soon)
  • IT-Beratung (coming soon)

Dies ist Teil 3 unserer Serie zur schriftlichen IHK-Prüfung. Lies auch Teil 1  und Teil 2.

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Edwin Radtke
Gründer Cloudhelden
author https://cloudhelden.org

Ich bin Edwin und arbeite seit über 7 Jahren in den Bereichen DevOps, Cloud und IT-Security. Inzwischen gebe ich mein Wissen in der IT-Bildung weiter – praxisnah und verständlich. Mein Ziel ist es, dir nicht nur IT-Know-how zu vermitteln, sondern auch das Selbstvertrauen für deinen beruflichen Weg in der IT mitzugeben.