Mündliche IHK-Prüfung Berufsspezialist IT & Bachelor Professional IT: So meisterst du Präsentation und Fachgespräch (2026)

Mündliche IHK-Prüfung Berufsspezialist IT & Bachelor Professional IT: So meisterst du Präsentation und Fachgespräch (2026)

Tipps zur Vorbereitung auf die mündliche Prüfung für den Berufsspezialisten IT und Bachelor Professional IT - worauf es bei Präsentation und Fachgespräch ankommt.

Dies ist unser Guide zur mündlichen Prüfung. In unserer dreiteiligen Serie zur schriftlichen Prüfung gehen wir auf das Prüfungsformat ein, auf die zentralen Bewertungskriterien und auf Tipps zu Vorbereitung, Prüfungstag-Taktik und FAQ. Einen separaten Artikel zur Themenwahl und Anmeldung veröffentlichen wir gesondert.

Nach unserer Serie zur schriftlichen Prüfung geht es jetzt um den zweiten Teil: die mündliche Prüfung mit Präsentation und Fachgespräch. Hier teilen wir, worauf es in diesem Prüfungsteil ankommt, welche Bewertungskriterien gelten und wie du dich gezielt vorbereiten kannst - auf Basis der Prüfungsordnung, des Rahmenlehrplans und der Rückmeldungen, die wir aus der Vorbereitung unserer Teilnehmenden kennen.

Die Hinweise in diesem Artikel beziehen sich auf die mündliche Prüfung für den Berufsspezialisten IT Systemintegration & Vernetzung. Die allgemeinen Tipps gelten aber fachrichtungsübergreifend, egal ob du dich auf Systemintegration & Vernetzung, Informationssicherheit, Softwareentwicklung oder IT-Beratung spezialisierst.

Aufbau und Format

Die mündliche Prüfung besteht aus zwei Teilen: einer Präsentation von maximal 15 Minuten und einem sich direkt anschließenden Fachgespräch von maximal 30 Minuten. Die Präsentation zählt ein Drittel, das Fachgespräch zwei Drittel der Gesamtbewertung. Beide Teile müssen einzeln mit mindestens 50 Punkten bestanden werden.

So läuft der Prüfungstag ab

Du sitzt vor dem Prüfungsraum und wartest. Du bist aufgeregt, vielleicht gehst du im Kopf nochmal deine Folien durch. Dann geht die Tür auf.

Drinnen sitzen drei Leute am Tisch, der Prüfungsausschuss. Die stellen sich vor, du setzt dich hin, kriegst ein Wasser angeboten. Nimm es. Dann geht es kurz durch die Formalitäten: Ausweis zeigen, Belehrung, Handy aus. Nichts Wildes, dauert ein paar Minuten.

Dann richtest du dich ein, Laptop auf, Präsentation offen. Wenn du sagst, dass du soweit bist, läuft die Zeit. 15 Minuten Präsentation, danach kurz durchatmen, und dann startet das Fachgespräch.

Das Wichtigste, was du wissen solltest: Die Leute, die dir gegenübersitzen, wollen, dass du das schaffst. Die freuen sich, wenn du bestehst. Wenn alles vorbei ist, gehst du kurz vor die Tür. Der Prüfungsausschuss berät sich. Dann wirst du wieder reingebeten und bekommst bei Bestehen direkt dein Zeugnis ausgehändigt.

Damit du mit diesem Zeugnis in der Hand nach Hause gehst, musst du natürlich zeigen, was du draufhast. Wie das am besten klappt, darum geht es jetzt.

Die Präsentation

Die vier Bewertungskriterien

Die Präsentation wird nach vier gleich gewichteten Kriterien bewertet: Aufbau und Struktur, sprachliche Gestaltung, zielgruppengerechte Darstellung (Medieneinsatz, Visualisierung, Körpersprache) und inhaltliche beziehungsweise fachliche Darstellung.

Das Entscheidende: Keines dieser Kriterien verlangt technische Tiefe. Es geht um Struktur, Verständlichkeit und einen nachvollziehbaren roten Faden. Bleib bewusst auf High-Level-Niveau. Wenn der Prüfungsausschuss tiefer einsteigen will, passiert das im Fachgespräch. Dafür ist es da.

Weniger ist mehr

15 Minuten sind kurz. Kürzer als die meisten denken. Du musst in dieser Zeit alle fünf Qualifikationsschwerpunkte deiner Fachrichtung erkennbar abdecken. Bei Systemintegration & Vernetzung sind das: Planung, Konzeptionierung und Integration; Sicherstellung des laufenden Betriebs; Qualitätssicherung und IT-Sicherheit; organisatorische und rechtliche Vorgaben; Projektunterstützung und -koordination.

Die Zeit ist also knapp. Und gerade bei IT-Projekten kann man unbegrenzt reden, unbegrenzt in die Tiefe gehen. Genau das solltest du in der Präsentation aber nicht tun. Überladene Folien sind der größte Feind. Wer auf einer Folie ein Architekturdiagramm, eine Vergleichsmatrix und fünf Stichpunkte unterbringt, verliert das Publikum. Es geht darum, dem Prüfungsausschuss einen nachvollziehbaren High-Level-Überblick über dein Projekt zu geben.

Du musst die Qualifikationsschwerpunkte dabei nicht als Überschriften auf die Folien schreiben. Es reicht, wenn sie erkennbar vorkommen. Wenn du DSGVO ansprichst, hast du "organisatorische und rechtliche Vorgaben" abgehakt. Wenn du Backup-Strategien zeigst, ist "Sicherstellung des laufenden Betriebs" abgedeckt.

Machbarkeitsstudie oder umgesetztes Projekt?

Du kannst entweder ein tatsächlich umgesetztes Projekt präsentieren oder eine Machbarkeitsstudie. Beides wird gleich bewertet. Das ist wichtig für dich, wenn du gerade arbeitssuchend bist oder in einem Umfeld arbeitest, in dem du nicht einfach mal ein Projekt umsetzen kannst, zum Beispiel in der Krankenhausinfrastruktur.

Unsere Empfehlung: Wenn du die Möglichkeit hast, ein echtes Projekt zu präsentieren, mach das. Du bist dann am sichersten, weil du jedes Detail aus der Praxis kennst. Eine Machbarkeitsstudie hat den Vorteil, dass du automatisch auf High-Level bleibst. Sie hat aber das Risiko, dass im Fachgespräch Fragen zu Praxisdetails kommen, die du nicht durchlebt hast.

Handout mitbringen

Bring ein Handout mit. Eine Seite, nicht mehr. Keine Zauberei, einfach eine saubere Zusammenfassung deines Projekts. Der Prüfungsausschuss kann sich darauf während deiner Präsentation Notizen machen und im Fachgespräch direkt darauf zurückgreifen. Das erleichtert dir das Gespräch, weil sich die Fragen dann an deinem roten Faden orientieren. Aus unserer Vorbereitungspraxis wissen wir: Wer mit einem klaren Handout in die Prüfung geht, geht souveräner ins Fachgespräch.

Was auf der Folie steht, musst du erklären können

Finger weg von KI-generierten Diagrammen. Ein Infrastrukturdiagramm kannst du in 20 Minuten mit Draw.io, Excalidraw oder Microsoft Visio selbst bauen. KI-generierte Diagramme haben Linien, die nirgendwo hingehören, verwischte Texte und offensichtliche Fehler. Man sieht sofort, was KI-generiert ist. Tu dir den Gefallen und bau ein echtes Diagramm.

Das gilt genauso für KI-generierte Folieninhalte. Viele von euch werden die Präsentation mit KI erstellen. Das ist auch völlig in Ordnung. Aber geh danach jeden einzelnen Fachbegriff durch und streich alles, was du nicht sicher erklären kannst. Der Prüfungsausschuss wird nachfragen. Es fällt sofort auf, wenn jemand Inhalte nur abliest oder bei Nachfragen unsicher wird.

Üben und Technik vorbereiten

Übe die Präsentation vier bis fünf Mal vorher. Komplett, mit Zeitstoppung, von Anfang bis Ende. Nimm dich dabei mit dem Handy auf. Handy auf die Fensterbank, Aufnahme drücken, präsentieren. Dann schau dir das an: Wo hake ich? An welchen Stellen muss ich nachdenken? Das macht keinen Spaß, das ist unintuitiv, das wissen wir. Aber es wird dir extrem helfen. Fang damit zwei bis drei Wochen vor der Prüfung an, nicht am Tag vorher. Sonst verunsicherst du dich nur.

Zur Technik: Eine saubere PowerPoint reicht völlig. Bring deinen eigenen Laptop mit, dazu einen USB-Stick als Backup und einen passenden Adapter, falls du einen Laptop mit USB-C hast. Deine Präsentation sollte in einem gängigen Format vorliegen, damit du sie notfalls auch auf einem IHK-Laptop abspielen kannst. Wenn du einen Klicker verwenden willst, nimm einen USB-Presenter, zum Beispiel von Logitech. Nutze nicht dein Handy oder deine Apple Watch, beides muss ohnehin aus sein. Aktiviere im Präsentationsmodus den Timer, damit du siehst, wie weit du bist. Moderationskarten mit Stichpunkten sind übrigens erlaubt.

Das Fachgespräch

Das Fachgespräch wird doppelt gewichtet und macht zwei Drittel der Gesamtbewertung aus. Bewertet wird: Wie überzeugend stellst du deine Konzeptionen dar? Wie fundiert argumentierst du deine Lösungsvorschläge? Und wie gut beantwortest du weiterführende Fragen?

Mach es dem Prüfungsausschuss leicht, gute Fragen zu stellen

Dieser Punkt ist der vielleicht wichtigste in diesem gesamten Artikel. Er funktioniert nach exakt demselben Prinzip wie unsere erste Regel für die schriftliche Prüfung: Mach es dem Prüfungsausschuss einfach.

Die Fragen im Fachgespräch beziehen sich in der Regel auf deine Präsentation, soweit das Thema es zulässt. Der Prüfungsausschuss hört zu, macht sich Notizen und entwickelt daraus seine Fragen. Wenn deine Präsentation auf einem verständlichen Level war, entstehen daraus gute, projektbezogene Fragen. Die Art von Fragen, auf die du dich vorbereiten kannst.

Was passiert aber, wenn du zu tief in ein Spezialthema einsteigst? Niemand im Prüfungsausschuss ist Experte in jedem Fachgebiet. Jeder hat seine Schwerpunkte aus dem eigenen Arbeitsalltag. Wenn du mit hochspezifischen Fachbegriffen arbeitest, die außerhalb dieses Bereichs kaum jemand kennt, kann der Ausschuss dazu schlechter sinnvolle Fragen stellen. Und dann ist die Gefahr groß, dass auf generische Abfragefragen ausgewichen wird: "Zählen Sie mal alle RAID-Systeme auf." "Erklären Sie das OSI-Modell von oben bis unten." Das sind Fragen, bei denen dir unter Aufregung garantiert etwas nicht einfällt.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Wer ein sehr spezifisches Setup mit Fachbegriffen präsentiert, die im eigenen Arbeitsalltag selbstverständlich sind, außerhalb davon aber kaum verbreitet, riskiert, dass der Ausschuss dazu keine projektbezogenen Fragen stellen kann - und stattdessen auf allgemeine Grundlagenfragen ausweicht. Halte die Präsentation deshalb so, dass dein roter Faden für jeden nachvollziehbar bleibt.

Du steuerst die Fragen

Wenn du in deiner Präsentation bestimmte Themen ansprichst, wird der Prüfungsausschuss dazu Fragen stellen. Das kannst du bewusst als Strategie nutzen. Erwähnst du DSGVO, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Frage in diese Richtung kommen. Zeigst du Backup-Strategien, kommen Fragen zu Offsite-Backup oder Hochverfügbarkeit.

Praxisnaher Tipp: Nutze KI, um dich auf das Fachgespräch vorzubereiten. Gib deine Präsentation in ein KI-Tool und lass dir typische Fragen generieren. Du kannst dich wirklich sehr gut vorbereiten, wenn du ein bisschen smarter rangehst. Achte dabei darauf, keine unternehmensbezogenen oder vertraulichen Daten in externe Tools zu geben. Nutze im Zweifel die firmeneigene oder firmenerlaubte KI.

Typische Themenfelder im Fachgespräch

Aus dem Rahmenlehrplan und der Logik des Prüfungsformats ergeben sich einige Themenfelder, die du sicher beherrschen solltest. Im Bereich Netzwerk und Architektur: das OSI-Modell, VLANs, DMZ, Netzwerksegmentierung und Virtualisierung im Vergleich zu Hardware-Trennung. Im Bereich Security und Datenschutz: DSGVO (insbesondere bei Cloud-Projekten), Auftragsverarbeitungsverträge und Zugriffskontrolle mit Rollen, Rechten und IAM. Im Bereich Betrieb und Infrastruktur: Offsite-Backup, Hochverfügbarkeit und Failover-Cluster.

Wie tief gefragt wird, hängt vom Thema ab. Beim OSI-Modell kann es reichen, die sieben Schichten zu kennen - es kann aber auch sein, dass nach der Funktion einer bestimmten Schicht gefragt wird. Die Fragen sind dabei in der Regel fair und nicht darauf ausgelegt, jemanden aufs Glatteis zu führen.

Gefahren im Fachgespräch

Pass auf, dass du dich nicht selbst in Spezialfälle hineinredest. Wenn du in einer Antwort beiläufig einen komplexen Begriff erwähnst, kann die nächste Frage genau diesen Begriff betreffen. Bleib bei dem, was du sicher weißt.

Präsentation und Fachgespräch ergänzen sich

Jeder hat seine Stärken. Manche präsentieren souverän, andere sind in der Präsentation eher zurückhaltend und überzeugen dafür im Fachgespräch fachlich. Und natürlich gibt es auch Prüflinge, die in beiden Teilen stark abliefern.

Das Prüfungsformat ist genau dafür ausgelegt. Wenn du kein geborener Präsentator bist, kannst du das im Fachgespräch aufholen. Wenn du dir beim Fachgespräch unsicher bist, gibt dir eine starke Präsentation ein solides Fundament.

Nervosität ist kein Problem

Falls du nervös bist: Das ist vollkommen in Ordnung und kein Grund zur Sorge. Entscheidend ist, dass du dein Thema fachlich sicher rüberbringst und man dir Motivation und Sachverstand anmerkt. Für die sprachliche Gestaltung wird Souveränität zwar als Kriterium mitbewertet - aber niemand fällt durch, nur weil er nervös war.

So bereitest du dich vor

Geh nochmal die Grundlagen aus dem Rahmenlehrplan durch. Für Systemintegration & Vernetzung sind Themen wie das OSI-Modell, RAID-Systeme, DSGVO-Grundlagen und Backup-Konzepte Klassiker, die du aus der Fachinformatiker-Prüfung bereits kennst. Je nach Fachrichtung wirst du deine eigenen Standardthemen kennen, also die Grundlagenfragen, die in deinem Bereich immer wieder auftauchen. Nimm dir ein paar Tage und frische diese Themen auf. Wenn die Frage kommt, bist du vorbereitet. Wenn sie nicht kommt, hast du trotzdem nichts verschwendet.


Dies ist unser Guide zur mündlichen IHK-Prüfung. Lies auch unsere dreiteilige Serie zur schriftlichen Prüfung: Teil 1, Teil 2 und Teil 3

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Edwin Radtke
Mitgründer Cloudhelden
author https://cloudhelden.org

Ich bin Edwin und arbeite seit über 7 Jahren in den Bereichen DevOps, Cloud und IT-Security. Inzwischen gebe ich mein Wissen in der IT-Bildung weiter, praxisnah und verständlich. Privat und ehrenamtlich bin ich außerdem als IHK-Prüfer für die IT-Berufsspezialisten tätig. Mein Ziel ist es, dir nicht nur IT-Know-how zu vermitteln, sondern auch das Selbstvertrauen für deinen beruflichen Weg in der IT mitzugeben.